Der Münchner Schäfflertanz
Der Münchner Schäfflertanz ist ein historischer Handwerksbrauch der Fassmacher, der nur alle sieben Jahre während der Faschingszeit öffentlich aufgeführt wird. Der Überlieferung nach sollen die Schäffler nach einer Pestepidemie tanzend Lebensmut in die Straßen zurückgebracht haben. Historisch sicher ist diese Entstehungsgeschichte nicht; belegt ist der öffentliche Tanz in München seit 1702.
Schäfflertanz auf einen Blick
- Handwerk
- Die Schäffler waren Fassmacher und gehörten zu den wichtigen Handwerkszünften der Stadt
- Rhythmus
- Der große Tanzzyklus findet traditionell alle sieben Jahre statt
- Überlieferung
- Die Pestlegende erzählt von Lebensfreude nach einer Epidemie, ist historisch aber nicht zweifelsfrei belegt
- Belegt
- Ein öffentlicher Tanz der Fassmacher ist für 1702 dokumentiert
- Heute
- Der Tanz folgt festen Figuren, Musik und Kostümen und gehört zu den bekanntesten Münchner Handwerksbräuchen
Zwischen Pestlegende und Handwerksbrauch
Die beliebteste Geschichte beginnt mit einer Pestepidemie: Während sich die Menschen aus Angst in ihren Häusern versteckt hätten, seien die Schäffler auf die Straße gegangen und hätten mit Musik und Tanz neuen Lebensmut verbreitet. Häufig wird dieses Ereignis ins frühe 16. Jahrhundert datiert.
Die Erzählung prägt den Brauch bis heute, lässt sich aber historisch nicht lückenlos belegen. Wahrscheinlicher ist, dass der Schäfflertanz aus älteren Handwerks- und Zunftbräuchen hervorging. Für München ist ein öffentlicher Tanz der Fassmacher 1702 nachgewiesen.
Warum ausgerechnet alle sieben Jahre?
Auch der Siebenjahresrhythmus wird mit verschiedenen Geschichten erklärt. Mal soll die Pest in diesem Abstand wiedergekehrt sein, mal wird die Sieben als Glückszahl genannt. Eine eindeutige historische Erklärung gibt es nicht.
Gerade diese Mischung aus gesicherter Handwerkstradition und späterer Legendenbildung ist typisch für langlebige Bräuche. Die Regeln werden weitergegeben, während ihre Ursprünge zunehmend erzählerisch ausgeschmückt werden.
Figuren, Bögen und Kasperl
Der Tanz besteht aus festgelegten Formationen. Tänzer tragen grüne, mit Buchs geschmückte Bögen und bilden damit Figuren. Ein Reifenschwinger und der Kasperl gehören ebenfalls zum traditionellen Ablauf.
Auch das Glockenspiel am Neuen Rathaus greift den Schäfflertanz auf. Dadurch ist der Brauch selbst in Jahren ohne großen Tanzzyklus täglich symbolisch am Marienplatz präsent.
Wie der Schäfflertanz zur Münchner Tradition wurde
Fassmacher bilden ein wichtiges Handwerk
Bier, Wein und zahlreiche Waren benötigen Fässer. Schäffler gehören deshalb zum wirtschaftlichen Alltag der Stadt.
Der Tanz ist erstmals sicher belegt
Münchner Quellen berichten über einen öffentlichen Tanz der Fassmacher. Damit beginnt die belastbare Geschichte des Brauchs.
Die Pestlegende verfestigt sich
Der Tanz wird zunehmend als Erinnerung an eine überwundene Seuche erzählt. Diese Deutung prägt sein öffentliches Bild.
Der Siebenjahresrhythmus wird zum Markenzeichen
Der Brauch wird stärker organisiert und folgt festen Figuren, Kostümen und Abläufen.
Handwerk wird Stadtidentität
Obwohl der Beruf des Schäfflers im Alltag kaum noch sichtbar ist, bleibt der Tanz als kulturelles Gedächtnis bestehen.
Das Rathaus hält den Schäfflertanz täglich im Stadtbild
Im Glockenspiel des Neuen Rathauses drehen sich Schäfflerfiguren mit grünen Bögen über dem Marienplatz. So bleibt ein Brauch sichtbar, der in seiner großen Form nur selten stattfindet.
Die Miniatur ersetzt den echten Tanz nicht. Sie zeigt aber, wie tief die Fassmachertradition in Münchens öffentliche Selbstdarstellung eingegangen ist.
Das Neue Rathaus entdeckenHäufige Fragen zum Schäfflertanz
Beim Schäfflertanz liegen Geschichte und Legende eng beieinander. Gerade deshalb lohnt es sich, zwischen belegtem Handwerksbrauch und späterer Erzählung zu unterscheiden.
Seit wann gibt es den Schäfflertanz?
Ein öffentlicher Tanz der Münchner Fassmacher ist seit 1702 belegt.
Stimmt die Geschichte mit der Pest?
Sie gehört zur traditionellen Erzählung des Brauchs, ist historisch aber nicht eindeutig nachweisbar.
Warum tanzen die Schäffler nur alle sieben Jahre?
Dafür gibt es mehrere Erklärungen, aber keine abschließend belegte. Der Siebenjahresrhythmus ist inzwischen selbst Teil der Tradition.
Wer waren die Schäffler?
Fassmacher, die Holzfässer für Bier, Wein und andere Waren herstellten.
Wo sieht man den Schäfflertanz außerhalb des Tanzjahres?
Als Figurenspiel im Glockenspiel des Neuen Rathauses am Marienplatz.