Munich Sound & Musicland Studios
In den 1970er- und 1980er-Jahren wurde München zu einem internationalen Produktionsort für Pop und Disco. In den Musicland Studios im Keller des Arabellahauses arbeitete Giorgio Moroder mit Donna Summer an jenem elektronisch geprägten Disco-Sound, der als „Munich Sound“ weltweit bekannt wurde. Gleichzeitig nahmen dort Rockgrößen wie Queen, die Rolling Stones, Led Zeppelin und Deep Purple auf.
Munich Sound und Musicland auf einen Blick
- Ort
- Musicland Studios im Untergeschoss des Arabellahauses in Bogenhausen
- Prägende Person
- Produzent Giorgio Moroder, dessen Arbeit mit Synthesizern den internationalen Disco-Sound veränderte
- Zentrale Stimme
- Donna Summer wurde in München zu einer der prägenden Sängerinnen der Disco-Ära
- Internationale Gäste
- Unter anderem Queen, Rolling Stones, Led Zeppelin, Deep Purple, Iggy Pop, Elton John und Falco arbeiteten in München
- Ende
- Das Studio schloss gegen Ende der 1980er-Jahre; Erschütterungen durch die nahe U-Bahn machten hochwertige Aufnahmen zunehmend problematisch
Wie München für einige Jahre Popgeschichte schrieb
Der „Munich Sound“ war weniger ein klar abgegrenztes Genre als die internationale Bezeichnung für einen Produktionsstil, der in München entstand: orchestrale Flächen, pulsierende Bässe, elektronische Rhythmen und ein glatter, futuristischer Studioklang. Giorgio Moroder und sein Umfeld verbanden Studiotechnik und Tanzmusik in einer Weise, die weit über die Stadt hinaus wirkte.
Ein wichtiger Ort dafür lag überraschend unscheinbar im Keller des Arabellahauses. Die Musicland Studios gehörten in den 1970er- und frühen 1980er-Jahren zu den gefragtesten Studios Europas. Der Ruf zog Musiker an, die mit Disco oft gar nichts zu tun hatten. Rockbands schätzten die technische Ausstattung, Produzenten die eingespielte Studioumgebung.
Donna Summer, Moroder und der Sound der Zukunft
Donna Summer war nach einem Engagement im Musical „Hair“ in Deutschland geblieben und arbeitete in München mit Moroder und Pete Bellotte. Die gemeinsamen Produktionen machten den elektronischen Disco-Sound international populär. München wurde damit für einige Jahre zu einem Zentrum einer Musik, die zugleich glamourös, maschinell und körperlich war.
Die Stadt selbst passte dazu: Nach den Olympischen Spielen 1972 präsentierte sich München international, wohlhabend und modern. Clubs in Schwabing, eine wachsende Nachtkultur und die internationale Musikszene erzeugten eine Atmosphäre, in der Studioproduktion und Nachtleben eng zusammenlagen.
Von Queen bis Rolling Stones
Musicland war nie nur ein Disco-Studio. Die Rolling Stones nahmen dort Teile von zwei Alben auf, Led Zeppelin, Deep Purple, Iggy Pop und Elton John arbeiteten ebenfalls in München. Queen nutzten das Studio besonders intensiv; Freddie Mercury verbrachte dadurch über Jahre immer wieder längere Zeit in der Stadt.
Diese Verbindung führt direkt zur Münchner Stadtgeschichte der 1980er-Jahre. Freddie Mercury in München verbindet die Studiowelt von Bogenhausen mit dem Glockenbachviertel und der damaligen queeren Szene.
Die wichtigsten Stationen des Munich Sound
Musicland entsteht im Arabellahaus
Giorgio Moroder richtet im Untergeschoss des Hochhauses ein Studio ein, das technisch schnell internationales Niveau erreicht. Bogenhausen wird damit zu einem unerwarteten Knotenpunkt der Popproduktion.
Donna Summer und Moroder prägen den Disco-Sound
Die Zusammenarbeit verbindet elektronische Sequenzen mit orchestralen Arrangements und Summers Stimme. Der „Munich Sound“ wird zu einem Begriff der internationalen Disco-Ära.
Weltstars kommen nach München
Rock- und Popmusiker nutzen die technische Ausstattung der Musicland Studios. Die Stadt wird zu einem Ort, an dem internationale Produktionen entstehen, ohne dass München selbst eine klassische Musikmetropole des Pop sein muss.
Queen und Freddie Mercury vertiefen die Verbindung
Queen nehmen mehrere Alben in München auf. Mercury verbringt zunehmend Zeit in der Stadt, arbeitet auch an seinem Soloalbum und wird Teil des Münchner Nachtlebens.
Das Studio verstummt
Mit dem Ausbau der U-Bahn Richtung Arabellapark werden Erschütterungen im Studiobetrieb zum Problem. Musicland schließt – der Name bleibt als Kapitel der internationalen Popgeschichte Münchens.
Ein Weltsound aus einem Hochhauskeller
Von den Musicland Studios ist im Straßenbild wenig zu erkennen. Das Arabellahaus steht für ein München, dessen Popgeschichte sich nicht in einem klassischen Musikviertel abspielte, sondern zwischen Hotel, Büros und moderner Nachkriegsarchitektur.
Gerade diese Unsichtbarkeit macht den Ort interessant: Einige der international einflussreichsten Aufnahmen der 1970er- und 1980er-Jahre entstanden unter einem Bogenhausener Hochhaus.
Mehr über BogenhausenHäufige Fragen zu Munich Sound und Musicland Studios
Musicland war Studio, Treffpunkt und Produktionsmaschine zugleich. Der berühmte „Munich Sound“ bezeichnet dabei vor allem die Disco-Produktionen um Giorgio Moroder, nicht jede Aufnahme, die dort entstand.
Was versteht man unter „Munich Sound“?
Vor allem den elektronisch und orchestral geprägten Disco-Sound, der in den 1970er-Jahren in München rund um Giorgio Moroder, Donna Summer und deren Produktionsteam entstand.
Wo lagen die Musicland Studios?
Im Untergeschoss des Arabellahauses im Münchner Stadtteil Bogenhausen.
Welche Stars nahmen dort auf?
Unter anderem Donna Summer, Queen, die Rolling Stones, Led Zeppelin, Deep Purple, Iggy Pop, Elton John, Falco und weitere internationale Künstler.
Warum war München für Queen wichtig?
Die Band arbeitete mehrfach in Musicland. Freddie Mercury verbrachte dadurch zwischen Ende der 1970er- und Mitte der 1980er-Jahre regelmäßig längere Zeit in München.
Warum schlossen die Musicland Studios?
Mit dem U-Bahn-Ausbau in der Nähe wurden Erschütterungen bei Aufnahmen zunehmend problematisch. Das Studio stellte seinen Betrieb Ende der 1980er-Jahre ein.