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Alltag unter der Diktatur

Viscardigasse / Drückebergergasse

Die Viscardigasse verläuft hinter der Feldherrnhalle zwischen Residenzstraße und Theatinerstraße. Während der NS-Diktatur nutzten manche Passanten die kleine Gasse als Umweg, um den Hitlergruß vor dem nationalsozialistischen „Ehrenmal“ an der Feldherrnhalle zu vermeiden. Daher entstand der Beiname „Drückebergergasse“. Seit 1995 erinnert eine bronzene Spur im Pflaster an diese Form stiller Verweigerung.

  • 1933–1945
  • Feldherrnhalle
  • stille Verweigerung

Die Viscardigasse auf einen Blick

Lage
Direkt hinter der Feldherrnhalle am Odeonsplatz
NS-Zeit
Vor dem „Ehrenmal“ mussten Passanten den Hitlergruß zeigen
Umweg
Einige Menschen wichen durch die Viscardigasse aus
Beiname
„Drückebergergasse“ oder „Drückebergergasserl“
Erinnerung
Seit 1995 markiert Bruno Wanks bronzene Pflasterspur den Weg

Warum ein kurzer Umweg politisch wurde

Nach 1933 verwandelten die Nationalsozialisten die Feldherrnhalle in einen zentralen Kultort. An ihrer Ostseite erinnerte ein „Ehrenmal“ an die beim Putsch von 1923 getöteten Nationalsozialisten. Eine Ehrenwache überwachte den Ort.

Wer vorbeiging, sollte mit dem Hitlergruß die nationalsozialistische Erinnerungskultur bestätigen. Einige Münchnerinnen und Münchner wollten sich dieser Geste entziehen und wählten deshalb die parallel verlaufende Viscardigasse.

Widerstand oder Verweigerung?

Der Umweg war keine organisierte Widerstandsbewegung. Motive und Zahl der Menschen lassen sich nicht exakt rekonstruieren. Manche wichen möglicherweise aus politischer Ablehnung aus, andere aus persönlichen oder pragmatischen Gründen.

Gerade deshalb ist der Ort historisch interessant. Er zeigt eine Grauzone zwischen offenem Widerstand, innerer Distanz und alltäglicher Vermeidung. Der Beiname „Drückebergergasse“ war dabei ursprünglich keineswegs nur anerkennend.

Die bronzene Spur

1995 schuf der Künstler Bruno Wank eine geschwungene Spur aus bronzenen Pflastersteinen. Sie folgt dem Weg durch die Gasse und erinnert an jene Menschen, die den Kultort umgehen wollten.

Die Spur erklärt sich erst mit dem benachbarten Odeonsplatz und der Geschichte der Feldherrnhalle. Der größere Kontext steht unter München im Nationalsozialismus.

Wie die Viscardigasse zum Erinnerungsort wurde

1923

Der Hitlerputsch endet an der Feldherrnhalle

Polizei stoppt den nationalsozialistischen Marsch. Tote Putschisten werden später vom Regime zu Märtyrern stilisiert.

ab 1933

Die Feldherrnhalle wird NS-Kultort

Ein „Ehrenmal“ und eine Ehrenwache machen den Ort zu einer politischen Bühne.

1933–1945

Passanten weichen durch die Gasse aus

Manche Menschen umgehen die vorgeschriebene Grußgeste, indem sie hinter der Feldherrnhalle abbiegen.

nach 1945

Die kleine Gasse wird zum Erinnerungszeichen

Der Beiname „Drückebergergasse“ bleibt im Münchner Gedächtnis erhalten.

1995

Bruno Wank legt die bronzene Spur

Das Kunstwerk macht die unsichtbare Geschichte des Umwegs dauerhaft im Straßenraum sichtbar.

Bronzene Pflasterspur in der Münchner Viscardigasse hinter der Feldherrnhalle
Erinnerung im Pflaster

Die bronzene Spur ist bewusst unspektakulär

Keine große Tafel, kein Monument dominiert die Gasse. Eine Reihe glänzender Steine folgt einfach dem historischen Umweg.

Gerade diese Zurückhaltung passt zur Geschichte: Es ging nicht um einen heroischen Aufstand, sondern um kleine Entscheidungen im Alltag einer Diktatur – deren Motive im Einzelfall offenbleiben.

Den Odeonsplatz einordnen

Häufige Fragen zur Viscardigasse

Die Geschichte der Gasse wird gern als eindeutige Widerstandserzählung erzählt. Historisch ist eine vorsichtigere Einordnung sinnvoll.

Warum heißt sie Drückebergergasse?

Weil manche Passanten dort auswichen, um den Hitlergruß am NS-Ehrenmal an der Feldherrnhalle zu vermeiden.

War das organisierter Widerstand?

Nein. Es handelte sich um individuelle Ausweichbewegungen; Motive und Umfang sind nicht vollständig dokumentiert.

Was bedeuten die bronzenen Steine?

Sie sind Teil eines Kunstwerks von Bruno Wank aus dem Jahr 1995 und markieren den historischen Umweg.

Wo liegt die Viscardigasse?

Direkt hinter der Feldherrnhalle zwischen Residenzstraße und Theatinerstraße.

Lässt sich der Ort gut in einen Geschichtsrundgang einbauen?

Ja. Königsplatz, Odeonsplatz, Feldherrnhalle und Viscardigasse liegen innerhalb eines gut begehbaren historischen Zusammenhangs.

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